„Die Ärzteschaft ist die mit Abstand einfältigste Berufsgruppe, die ich kenne...“, schreibt Dr. Wasserberg am 27.11.2009 in einem Forum (Quelle siehe Link) des änd.
Am Ende des Beitrags zieht er sein Fazit:
„Rettet sich jeder, wie er kann. Wer auf die Kollegen hofft oder auf die große Revolution, dem ist nicht zu helfen.“
Dr. Wasserberg empfiehlt jedem Arzt eine Strategie zu wählen, die ihm selbst weiterhilft. Auf brain2doc haben wir in mehreren Beiträgen ausführlich in der Rubrik Hausarztverträge vorgestellt, warum es unseres Erachtens für jeden Hausarzt in Bayern und Baden-Württemberg sinnvoll ist, an der HzV teilzunehmen. „Rette sich jeder, wie er kann“ entspricht bei Hausärzten der Strategie „Teilnahme an der HzV“.
Der zweite Teil des Fazits von Dr. Wasserberg, nicht auf ein gemeinsames Handeln von Ärzten zu warten oder hoffen, lässt normalerweise nur einen einzigen Schluss zu: Ärzte, verschwendet eure Zeit, euer Geld und eure Energie nicht für irgendwelche Aktivitäten, die auf kollektives Handeln von Ärzten setzt.
In dem ganz speziellen Falle der HzV bedarf der zweite Teil der Botschaft, sich also nicht auf Kollegen zu verlassen, einer ergänzenden Erläuterung.
| - Nimmt ein Hausarzt an der HzV teil, so steigert er seinen individuellen Nutzen |
| - Nehmen viele Hausärzte an der HzV teil, so steigert jeder Teilnehmer seinen individuellen Nutzen |
| - Nehmen alle Hausärzte an der HzV teil, so steigern alle Hausärzte ihren individuellen Nutzen |
Der Vorteil ist, jeder Hausarzt kann kraft eigener Entscheidung seinen Nutzen steigern ohne zugleich einem anderen Arzt zu schaden.
Wird der Nutzen einer gesamten Gruppe gesteigert, weil alle Gruppenmitglieder nur ihren individuellen Nutzen steigern wollten, dann fällt ausnahmsweise die individuelle Strategie mit der kollektiven Strategie zusammen. Neudeutsch nennt man das eine win-win-Situation. Mit anderen Worten: Weil der einzelne Hausarzt mehr Geld haben will und deswegen an der HzV teilnimmt, steigt der Nutzen der Gruppe an. Es verlässt sich niemand auf jemand anderes, trotzdem klappt es.
In Baden-Württemberg haben MEDI und HÄV für die Hausärzten erst die Möglichkeit geschaffen, an solchen Verträgen teilzunehmen. Sie sind für die Ärzte in Vorleistung gegangen. Hätten MEDI und HÄV nichts unternommen, wie das Gros ärztlicher Interessenvertretungen, stünde den Ärzten die Möglichkeit der HzV nämlich gar nicht zur Verfügung.
Hausärzte, ihr solltet erstens schon aus reinem Eigennutz an der HzV teilnehmen.
Darüber hinaus, und das ist der Clou an der Sache, stärkt ihr zweitens mit eurer Teilnahme zugleich auch MEDI und HÄV. Wenn MEDI und HÄV bei mäßiger Unterstützung durch die Ärzteschaft schon Erfolge wie Verträge nach 73b und 73c erreicht haben, was könnten die nicht alles erreichen, wenn die Ärzteschaft fast geschlossen hinter denen stehen würde?
Für die Fachärzte gilt, zumindest für die in Baden-Württemberg: Ihr habt mit MEDI eine Interessenvertretung, die neben der HzV auch den ersten Vertrag nach SGB V § 73 c geschlossen hat. Sobald für eure Fachgruppe entsprechende Verträge ausgehandelt sind, nehmt teil! Denn der Mechanismus ist bei den Verträgen nach 73b und 73c identisch. Die obigen Ausführungen sind voll übertragbar.
Ärzte, stärkt mit eurem individuellen Handeln die Interessenvertretungen, die euch die Chance eröffnen, euren eigenen Nutzen zu steigern. Wartet nicht ab, ergreift die Chance zur Teilnahme an solchen Verträgen jetzt. Jeder von euch der mitmacht, gewinnt. Und je mehr mitmachen, desto mehr gewinnen MEDI und HÄV.
Um die Sache rund zu machen, zum Schluss noch eine Anmerkung zu all den Interessenvertretungen der Ärzteschaft, die sich gegen HzV aussprechen.
Wer auch immer zu diesen zählen mag und welche Gründe auch immer hinter entsprechenden Aussagen stecken könnten, es spielt für den einzelnen Arzt keine Rolle. Mit der individuellen Teilnahme an der HzV stellt sich der Arzt besser. Er rettet sich, auch wenn er seine Interessenvertretung dem schnellen Verfall preisgibt.
Über Interessenvertretungen und selbsternannte Interessenvertreter zu sprechen, die den Ärzten keine bessere Handlungsoption als den 73b anbieten können, welche zudem sofort wirksam sind, stellte eine Ressourcenverschwendung dar. Bei vielen Interessenvertretern wäre die Frage angebracht, ob sie eher Teil der Lösung oder eher Teil des Problems sind.
Diese Ausführungen in diesem Beitrag sind zum Zeitpunkt der Erstellung gültig (27. November 2009). Durchaus möglich, dass in sechs Monaten ganz andere Handlungsoptionen zu diskutieren wären.
Wie auch immer die Handlungsoptionen aussehen werden, sie müssen von den Ärzten verstanden, akzeptiert und anschließend auch umgesetzt werden können.
(C) www.brain2doc 27.11.2009