Die KVB (Kassenärztliche Vereinigung Bayern) bittet die fachärztlichen Verbände bei der Weiterentwicklung der RLV-Systematik um Mithilfe (Quelle).
Eine nicht ganz unwesentliche Randbedingung: Das Honorar pro Fachgruppe wird nicht größer.
Eines muss man der KVB lassen, an Dreistigkeit fehlt es ihr gewiss nicht.
Jahrelang hatten sich Dilettanten in den KVen mit planwirtschaftlichen Methoden an einer Honorarverteilung versucht, die systembedingt nur Murks produzieren konnte. Nachdem man jetzt den Schlamassel maximiert hat, will man die fachärztlichen Berufsverbände mit einbeziehen. Man könnte auch sagen, die KVB sucht sich einen Schuldigen, damit sie für das Ergebnis der „Weiterentwicklung“ nicht schon wieder von allen Seiten Prügel beziehen wird. Von der KVB clever ausgedacht. Werden die fachärztlichen Berufsverbände in diese Falle tappen?
Die Hausärzte wurden offenkundig schon gar nicht mehr gefragt. Die hatten sich selbst über die Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung nach SGB V § 73 b ihren Ausweg gesucht und gefunden. Mehr als 80Euro pro Quartal und Behandlungsfall, davon wagen ganz viele Facharztgruppen nicht einmal zu träumen. Die verrecken mit Regelleistungsvolumina bzw. Fallwerten von unter 30 Euro. Einzelne, regional aktive Facharztnetze haben bei dem KV-seitigen Honorarverfall den Ausweg über Verträge zur Integrierten Versorgung gesucht. Zumindest diese Ärzte sehen ihr Heil nicht im System KV.
In Baden-Württemberg geht derzeit schon ein Teil der Facharztverbände gemeinsam mit MEDI den Weg über die Selektivverträge nach SGB V § 73 c.
Was werden die Facharztverbände in Bayern machen?Entweder Handlanger der KVB werden und mit verantwortlich für die Verteilung eines per se nicht ausreichenden Honorars werden oder eigene Selektivverträge mit den Krankenkassen anstreben?
Als Handlanger der KVB werden die fachärztlichen Berufsverbände am Ende für die Honorarsituation mit verantwortlich gemacht. Mehr Geld scheint es nicht zu geben, also bleibt nichts anderes als die Verwaltung des Mangels übrig. Man muss nicht ausgesprochen mutig sein, um der KVB die Hand dazu zur reichen. Schließlich sind die Oberen in vielen Berufsverbänden mit der KVB seit langem „sehr freundschaftlich“ verbunden, nicht wenige davon als Mitglieder der Vertreterversammlung der KVB.
Die KVB hat die Facharztverbände ganz schön unter Druck gesetzt. Sie verlangt jetzt von ihren alten Spezis in diesen Verbänden, dass die in Zeiten der großen Not der KVB beispringen. Die Chancen stehen nicht schlecht, schließlich hat die KVB für die Spezis in den vergangen Jahren immer etwas tun können.
Nur wie wird das bei den Mitgliedern in den Facharztverbänden ankommen? Die haben schon länger ihre Zurückhaltung aufgegeben und ihre Unzufriedenheit mit der Honorarsituation geäußert. Dass die KVB ein Auslaufmodell ist, das müsste auch den Facharztverbänden klar sein. Sich an ein Auslaufmodell dranzuhängen, das birgt die Gefahr, dass man am Ende mit entsorgt wird.
Insofern könnte die jetzt anstehende Entscheidung nur vordergründig die Frage nach einer Weiterentwicklung der RLV unter Beteiligung der Facharztverbände sein. Vielleicht ist es auch die Frage, ob die Facharztverbände der KVB noch die Treue halten oder ob sie wie der Bayerische Hausärzteverband einen Weg außerhalb der KVB gehen wollen.
Eine interessante Fragestellung – es bleibt spannend.
www.brain2doc.de, am 9. März 2010